Gewichte und Schwingungsdämpfer werden bei Bögen angebracht um eine gewisse Ruhe beim Abschuss zu erzielen. Das Gewicht bewirkt, dass der Bogen nach dem
release nicht zum Schützen kippt, sondern in einer stabileren, aufrechten Stellung bleibt.
Auch beim Langbogen wird immer wieder der Wunsch geäußert das Griffstück so schwer als möglich
zu gestalten, unsere Bögen haben, dank des Aktionwoodgriffteils , schon stolze 950 bis 1000 Gramm. Natürlich haben wir auch auf diese Kundenwünsche reagiert und durften schon einige positive
Erfahrungen damit machen unter anderem wurde es uns auch durch zahlreiche Kundenfeedbacks bestätigt.
Seit längeren mache ich mir Gedanken nicht nur ein zusätzliches Gewicht in den Langbogen zu verbauen sondern das ganze noch mit einem Schwingungsdämpfer zu versehen.
Schwingungsdämpfer für Langbogen geht das ?
Aufgeschraubte Stabilisatoren sind beim Langbogen ist natürlich nicht möglich, also muss das Ganze versteckt im Griffstück verbaut werden, aber aus Platzgründen etwas schwieriger zu realisieren, da die Griffstücke relativ schlank ausgeformt sind.
Die von uns verwendeten 180 Gramm Zusatzgewichte aus Messing haben die Abmessung von 15 x 27 x 50 mm, um dieses Grundgewicht zu halten und in diesen Abmessungen noch ein Dämpfungssystem zu verbauen war also die Herausforderung.
Mein Gedanke war es, einen Schwingungsdämpfer auf Basis der magnetischen Abstoßungskraft zu entwickeln. Dieses Prinzip folgte dem physikalischen Gesetz, dass sich gleichnamige Pole – also Nordpol und Nordpol oder Südpol und Südpol – gegenseitig abstoßen. Die Abstoßung entstand durch die Wechselwirkung der Magnetfelder, die sich gegenseitig „wegdrückten“. Die Magnete sollten dabei frei gelagert und schwimmend im Gewicht verbaut sein, wodurch mechanischer Verschleiß vermieden wird. Meine Recherche ergab, dass hochwertige Magnete ihre Kraft auch über Jahrzehnte hinweg behalten.
Die breite vom Gewicht beträgt 15mm also habe ich mich für Rundmagnete mit einem Durchmesser
von 12 mm entschieden, um das Grundgewicht bei zu behalten habe ich die Länge von 50 auf 70mm erhöht.
Um herauszufinden, ob die Idee überhaupt funktioniert, habe ich mir eine Vorrichtung gebaut, mit der sich meine Idee messbar überprüfen ließ. Die Vorrichtung besteht aus einem Schlagbolzen, der immer mit derselben Kraft auf den Schwingungsdämpfer schlägt. Bei jeder Versuchsreihe habe ich die Strecke gemessen, um festzustellen, wie weit sich das Gewicht nach vorne bewegt – je kürzer die Bewegung, desto besser die Dämpfung. Die Probestücke habe ich so gefertigt, dass sie bei gleicher Außenabmessung exakt dasselbe Gewicht haben.
Ich startete meinen ersten Versuch der eigentlich schon zu einer Versuchsreihe mutierte.
1. Versuch mit 4 Bohrungen 8 Magnete -> Fehlgeschlagen die magnetischen Kräfte waren zu groß die Magneten konnten nicht mehr schwingen.
2.
Versuch mit 4 Bohrungen 8 Magnete -> schwächere Magneten verbaut
magnetischen Kräfte waren immer noch zu groß.
3.
Versuch 3 Bohrungen 6 Magnete -> das sich im inneren was tut ist spürbar ob es aber
eine
Dämpfung bewirkt ist mit meinen Mitteln nicht belegbar.
4. Versuch
3 Bohrungen 6 Magnete, 3 stärkere und 3 schwächere Magneten verbaut.
Auch hier eine spürbare aber leider auch keine belegbare Messung möglich.
Bei Versuch Nummer 5 spielte der Zufall mit, der mittlere Magnet wurde aus dem Dämpfer geschleudert und der zweite Magnet positionierte sich in der Mitte der Bohrung. Die Magnetfelder links und rechts hielten ihn in der Schwebe, bei diesem Versuch war ich mir eigentlich sicher das es zu einer Dämpfung kommt.
Aber wie schon vorher beschrieben in meiner Werkstatt mit meinen Mitteln einfach nicht messbar.
Beim Biertisch erzählte ich einen Vereinskollegen von meiner Idee und von den
Schwierigkeiten das Ganze zu messen. Bei den Produkten die bei ihm in der Firma hergestellt werden wirken sich Schwingungen negativ aus, daher haben sie sehr professionelle Gerätschaften Vibrationen zu messen.
Nach einiger Zeit bekam ich von ihm, die für mich nicht so erfreulichen Messergebnisse.
Ergebnis der Messung:
Es wurden jeweils zwei Messungen durchgeführt.
Blank1, Blank2 ohne Gewicht, ohne Dämpfer
Massiv1, Massiv2 mit Gewicht (gleiches Gewicht wie Dämpfer)
Magnet1, Magnet 2 mit Dämpfer
Bei der Grafik Vergleich Anregung sieht man das es nur sehr wenig Änderung bei der Beschleunigung gibt.
Auslenkungen in der x y z Achse.
Hier kann man sehen das es teilweise zu einer geringen Verbesserung kommt.
Mein Resümee die Idee vom Dämpfer scheint ansatzweiße zu funktionieren aber die Masse muss
ich vergrößern. Die Erkenntnis das es zu Auslenkungen in allen Achsen kommt kann ich ebenfalls nutzen.
Die horizontale Position von werde ich in eine vertikal Ausrichtung bringen, die Masse aufs größtmögliche Gewicht erhöhen und das ganze nochmal testen. Die magnetischen Abstoßungskraft
zur Schwingungsdämpfung behalte ich weiterhin bei.
Versuch Nr. 6
Wie bereits beschrieben, wurde eine Sacklochbohrung vertikal in den Messingblock eingefräst. An den Enden habe ich zwei Supermagneten (Durchmesser 12 mm) angebracht, die für die Abstoßungskraft sorgen, die Schwingungsdämpfung übernehmen nun acht in Reihe angeordnete Magneten.
Anschließend wird das Sackloch am anderen Ende verschlossen, damit kein Epoxidharz ins Innere gelangt. Vorher werden noch ein paar Tropfen Öl hinzugegeben, um die Reibung zu verringern.
Nun kann der Dämpfer in die vorgefräste Tasche im Griff eingeklebt werden, um eine formschlüssige Verbindung zwischen beiden Teilen zu gewährleisten.
Schon beim Schütteln von Hand lässt sich die Dämpfungsfunktion deutlich wahrnehmen, beim nächsten Bogen wird das Ganze verbaut und weiter getestet.
Schnittmodell vom Schwingungsdämpfer